Dienstag, 27. Dezember 2005, 20:49
Bluttest und aktuell laufende Bornastudie für Menschen!
Dann gibt es eine aktuelle Studie Borna-Mensch:
Infos hier:http://www.psychiatrie-aktuell.de/bgdisplay.jhtml?itemname=c_zwang_borna&item_link=/reviews/list.jhtml
Auszug:
"Menschen mit neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen sind auffallend häufig mit Bornaviren infiziert. Dies trifft zu für Menschen mit schweren Depressionen, chronischem Müdigkeitssyndrom (CFS) und Multipler Sklerose sowie für Menschen, die an einer Zwangsstörung leiden. ,
Ein Zusammenhang zwischen einer Bornavirus-Infektion und dem Auftreten von Zwangserkrankungen erscheint vor allem deshalb möglich, weil sich Bornaviren insbesondere im so genannten limbischen System des Gehirns anreichern. Das heißt, die Viren befinden sich vorwiegend in dem Bereich des Gehirns, der für die Stimmungslage und Erinnerungen zuständig ist. "
und hier: http://www.neuro-online.de/Faszination_ ... 2&type=201 (Anmerkung: nicht mehr online)
zuständig für die Studie:
Herrn Dr. med. Detlef Dietrich,
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
Wichtig: Für diese Studie werden nur Patienten angenommen, die aufgrund von vorliegenden Depressionen etc in ärztlicher Behandlung sind!!! Läuft also wohl nur über den behandelnden Arzt! Prof. Ludwig und Dr. Dietrich arbeiten da zusammen!
Anmerkung:
Prof. Dr. Dietrich ist jetzt ärztlicher Direktor der Ameos Klinik Hildesheim
Ameos Klinik: http://www.ameos.eu/klinikum-hildesheim.html
Goslarsche Landstr. 60
D-31135 Hildesheim
Tel. +49 (0)5121 103-1
Fax +49 (0)5121 103-334
Catya
Mittwoch, 28. Dezember 2005, 10:32
whow, super Chris! Vielen Dank!
Da bisher bei unserem Arzt noch nichts weiter gediehen ist, werde ich ihm diese Kontakt-Möglichkeiten mal vorlegen. Vielleicht kommen wir dann weiter.
Allerdings muss ich leider noch was sagen:
Ich habe den Fehler gemacht, davon auf der Arbeit zu erzählen... für euch den Tipp, lasst das besser sein. Mehr erzähle ich hier nicht öffentlich, aber ich habe deswegen ziemlichen Druck. 3 Leute reagieren total panisch. Hallooho!! es ist noch nicht mal bekannt, ob ich nen Virus hab oder nicht!!! Hilft nichts, ich bin jetzt an allen unerklärlichen Erkrankungen (sogar Bronchialinfekten, :? ) schuld, und solle doch lieber zuhause bleiben. Am besten einsperren für den Rest meines Lebens. Es ist noch ein bisschen mehr gelaufen, aber ich erzähle so was nur noch persönlich.
Chris
Mittwoch, 28. Dezember 2005, 10:50
Catya, das ist ja furchtbar! Was sind das nur für Menschen? Irgendwie bin ich da völlig unbedarft und erzähle allen möglichen Leuten von Borna von Pferd und Mensch - und habe so eine Reaktion noch nie erlebt, zum Glück.
Ich sehe Aufklärung daher als ganz ganz wichtig an, verstehe aber andererseits auch, wenn man wegen der Panik (denn das sieht man hier ja deutlich), zurückhaltend ist. Aber nur den Kopf in den Sand stecken ist ja für alle Verantwortlich wohl auch keine Lösung.
Habe gestern gelesen (muss mal den Link wiedersuchen), dass jetzt Borna sogar als Berufskrankheit bei Kontaktpersonen mit Tieren anerkannt werden soll bzw. das zur Diskussion steht:
"Arbeitsbedingte Erkrankungen
In Diskussion:
Neurologische Symptome bei Personen mit Tierkontakt, insbesondere mit Pferden, häufiger mit Bornavirus assoziiert.
Zoonosen:
Zoonosen spielen bei beruflichen Infektionskrankheiten eine große Rolle. Bei Zoonosen ist zu bedenken, dass Erreger sich in ihrer Pathogenität verändern können, wenn sie einen Wirtswechsel durchmachen (also vom Menschen auf das Tier oder umgekehrt übertragen werden). Als Beispiel sei das Herpes B-Virus genannt, ein affenpathogenes Virus, das bei seinem natürlichen Wirt harmlos ist und in seiner Pathogenität beim Affen etwa dem Herpes simplex Virus des Menschen entspricht, nach übertragung auf den Menschen (meist durch Biss) aber schwere Enzephalitiden mit einer hohen Letalität auslösen kann."
aus: http://www.med-rz.uni-sb.de/med_fak/arb ... /kap7.html unter 7.3
Oder ebenfalls ein anderer Link gestern, wo nach Jahreszahlen aufgelistet stand, welcher Virus eine Gefahr für Blutkonserven und - Übertragungen in Frage kommt. Da war ab 2003 (glaube ich, leider nicht gebookmarkt) der Bornavirus aufgelistet.
Da muss sich doch wohl bald was tun?
Catya, schreibst du mir mal, was vorgefallen ist? Bin aber wie oben gesagt, ab morgen bis 5.1.06 in Urlaub.
Chris
Mittwoch, 28. Dezember 2005, 11:45
Den ersten Link habe ich wiedergefunden (siehe oben), den zweiten leider noch nicht.
Dafür hier ein anderer Link, eine Doktorarbeit aus 2003 der Uni Leipzig, wo neben Pferde auch menschen vorkommen:
http://dol.dl.uni-leipzig.de/servlets/M ... osts=local
Bei Menschen mit psychiatrischen Störungen scheint das Bornavirus akute milde psychiatrische Symptome zu verursachen. Bei einem Patienten, bei dem eine akute schizophrene Psychose diagnostiziert wurde, war zum Zeitpunkt der ersten Punktion eine hohe Rate von BDV-spezifischer IgG-Synthese nachweisbar (genaue Menge in der Literatur nicht angegeben). Zum Zeitpunkt der zweiten Punktion (fünf Jahre später) war der Patient klinisch-neurologisch unauffällig. Die CSF war völlig physiologisch, ohne daß eine IgG-Synthese vorhanden war (RICHT et al. 1997).
Laut RICHT et al. (1997) zeigten Bornavirus-seropositive psychiatrische Patienten in 25% der Fälle eine Ein-Klassen-Reaktion von IgG. Diese Patienten waren alles akute Fälle, die hauptsächlich an Psychosen und Schizophrenie litten.
In Untersuchungen über die Bornasche Krankheit bei Menschen existieren genügend Informationen, die darauf hinweisen, dass Menschen tatsächlich mit BDV infiziert werden können. Diese virale Zoonose ist schwierig zu diagnostizieren. Aus diesem Grund ist es nötig, eine Standardisierung der Methodik der Ig-Synthese und andere CSFAnalysen sowohl für Tiere als auch für Menschen zu etablieren.
Die Bornasche Krankheit scheint eine intrathekale Ig-Synthese in Stadien, in denen die klinische Symptomatik auftritt, zu verursachen. Diese Tatsache kann verwendet werden, um einen spezifischen Antikörper-Index für die Bornasche Krankheit in Anlehnung an die Humanmedizin etablieren zu können. Von dieser Entwicklung würde sowohl die Veterinärmedizin als auch die Humanmedizin profitieren, wobei das zoonotische Risiko festgestellt werden könnte, das das BDV bei Menschen verursacht. Dafür ist es notwendig, die genetische Bildung des Virus, seine Fähigkeit zur Mutation, die horizontale Transmision (beim Menschen festgestellt worden) und Adaptation zu neuen Wirten weiter zu verfolgen."
In der Humanmedizin wurde eine zweifach erhöhte Seroprävalenz des BDV bei jüngeren psychiatrischen Patienten festgestellt. Die am meisten betroffenen Quartile waren Menschen in der Altersverteilung zwischen siebzehn und dreißig Jahre (RICHT et al. 1997)."
Anmerkung: die letzteren Quellenangaben sind schon relativ alt, würde da nicht unbedingt drauf bauen.
Chris
Mittwoch, 14. Juni 2006, 14:34
Erste Ergebnisse der Hann. Bornastudie Mensch
Einfluss des Bornavirus auf den Verlauf von Depressionen
30.05.2005 - HANNOVER (MedCon) – Einflussfaktoren im Hinblick auf den Verlauf affektiver Erkrankungen sind vielfältig und teilweise nicht bekannt. Das Bornavirus (Borna Disease Virus, BDV) wird als möglicher ätiopathogenetischer Faktor bei depressiven Störungen diskutiert.
Das Borna-Disease-Virus ist ein sphärisches, 90 nm großes, eingehülltes Negativstrang-RNA-Virus, das vermutlich weltweit verbreitet ist und primär bei zahlreichen Säugetieren nachgewiesen wurde. Inzwischen zeigen Studien, dass BDV auch beim Menschen (Rott et al. 1985) und mit eine hohe Prävalenz insbesondere bei neuropsychiatrischen Erkrankungen wie bipolaren oder rezidivierend depressiven Störungen auftritt (Bode et al. 2001).
Tierexperimentelle Befunde belegen, dass die BDV-Infektion insbesondere in limbischen Strukturen persistiert, zwischen Latenz- und Aktivitätsphasen alterniert und mit Neurotransmitter-Bindungsstellen (Aspartat- und Glutamat-Rezeptoren) im Hippocampusbereich zu interferieren scheint (Gosztonyi & Ludwig 2001). Der mögliche Pathomechanismus beim Menschen ist derzeit noch weitgehend hypothetisch (Bode & Ludwig 2003; Dietrich et al. 1998; Ikuta et al. 2002; Staeheli 2002). Befunde aus epidemiologischen sowie klinischen Studien weisen allerdings auf einen möglichen Einfluss von BDV auf den Behandlungsverlauf depressiver Erkrankungen hin (Ferszt et al. 1999; Dietrich et al. 2000; Bode et al. 2001).
Amantadinsulfat hat sich als gegen humanes BDV antiviral wirksam erwiesen (Bode et al. 1997). An unserem Zentrum wurden noch weitere depressive Patienten mit dem Nachweis einer BDV-Infektion mit Amantadinsulfat im Rahmen offener (n = 25) Studien behandelt (Dietrich et al. 2000; Spannhuth et al. 2000). Bipolar depressiv erkrankte Patienten scheinen schneller als rezidivierend depressiv Erkrankte mit einer Besserung der Symptomatik zu reagieren und scheinen deutlich bessere Erfolgsaussichten zu haben als Patienten mit einer Dysthymia (Dietrich et al. 2000).
Bei den klinisch gebesserten Patienten war zudem deutlich häufiger eine Reduktion der Virusaktivität zu verzeichnen. In einer ergänzenden retrospektiven Analyse ließ sich zudem zeigen, dass BDV–infizierte Patienten mit einer „endogenen“ Depression (n = 9; 8 Responder) im Vergleich zu Patienten mit einer vorwiegend reaktiven oder „neurotischen“ Depression (n = 8; 2 Responder) deutlich besser von Amantadin profitierten (Lau 2004). Der Einfluss von BDV auf kognitive Funktionen wurde bei BDV-infizierten Patienten mit einer depressiven Symptomatik im Rahmen einer Zwangserkrankung mithilfe elektrophysiologischer Methoden untersucht. Aufmerksamkeitsfunktionen waren hier insbesondere bei denen BDV–infizierten Patienten verändert, die eine hohe BDV-Aktivität (BDV-spezifische zirkulierende Immunkomplexe) aufwiesen (Dietrich et al. 2005).
Diese Ergebnisse stützen die Hypothese, dass BDV-Infektionen bei bestimmten Unterformen depressiver Erkrankungen partiell deren Verlauf beeinflussen und kognitive Funktionen verändern können. Amantadin scheint therapeutisch insbesondere bei den BDV-infizierten bipolar oder im Sinne einer rezidivierenden depressiven Störung erkrankten Depressiven therapeutisch hilfreich zu sein. Nicht zuletzt durch die derzeit noch einschränkend geringe Fallzahl sind allerdings größere Studien notwendig, um den möglichen Einfluss der BDV-Infektion auf den Krankheitsverlauf affektiver Störungen weiter zu spezifizieren. (Literatur bei den Verfassern)
(PD Dr. D. E. Dietrich, Dr. C. Spannhuth, Prof. Dr. H. M. Emrich, Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover)
Quelle: http://www.neuro-online.de/Faszination_ ... 2&type=201
Chris
Mittwoch, 14. Juni 2006, 15:09
Im April 2006 aktualisiert, Forschung von Fr. Dr. Bode:
http://library.vetmed.fu-berlin.de/hoch ... 2/250.html:
Auszug:
Die wissenschaftliche Beweisführung für die Existenz humaner BDV-Infektionen, die in der hier dargelegten Forschungsleistung einen besonderen Platz einnimmt und auf die im Detail eingegangen wurde, konnte sich derselben Methoden bedienen, die auch für den Nachweis von Tierinfektionen einsetzbar waren. Dies hat den Erkenntnisstand im veterinär- und humanmedizinischen Bereich wechselseitig sehr gefördert.
Die Modellvorstellung zur Pathogenese geht davon aus, daß Virusbausteine ((weniger das Virus selbst) eine reversible Störung oder Modulation der Neurotransmitterfunktion via Rezeptorblockade oder auf indirektem Wege bewirken.
Der postulierte Mechanismus kann erklären, warum bei der BK der Tiere Apathie, Schläfrigkeit und Ängstlichkeit parallel zur viralen Antigenexpression vorherrschen, diese Symptomatik jedoch häufig spontan remittiert, d.h. keine bleibenden Strukturschäden im Gehirn hinterläßt. Im Fall der progredient verlaufenden Form der BK mit Todesfolge wäre eine außer Kontrolle geratene Virusproduktion, die nicht
mehr reversibel ist, plausibel. Das pathogenetische Modell geht ebenso konform mit den in dieser Arbeit vorgestellten Ergebnissen aus dem Humanbereich, die insgesamt eine Beteiligung der BDV-Infektion an phasenhaften Affektpsychosen stützen. Der Verlauf dieser bedeutsamen Erkrankungen (frühere Bezeichnung ???endogene Depression“ und ???manisch-depressive Psychose“) ist typischerweise durch einen Wechsel von symptomatischen und symptomfreien Phasen gekennzeichnet (60) und daher eher mit einer funktionellen Störung als strukturellen Schädigung der Nervenzellen vereinbar. Eine Fülle von Daten der biologisch-psychiatrischen Forschung unterstützt die heutige Sicht, nach der sich diskrete Veränderungen des Neurotransmitternetzwerks im limbischen System klinisch als Depression, respektive Manie, manifestieren (166, 60). In akut depressiven Patienten wurden - in Analogie zu Tieren - im Blut häufig Antikörper und Antigenexpression gefunden, konnte virale RNA gezeigt, infektiöses Virus aus Blutzellen isoliert, Virusproteine im Liquor nachgewiesen und ein antidepressiver Effekt mit antiviraler Behandlung beobachtet werden.
Zur Erklärung der Gründe für asymptomatisch bleibende und klinisch manifeste BDV-Infektionen wurde in dieser Arbeit ein Vulnerabilitätsmodell herangezogen (47), wonach individuelle Wirtsfaktoren wie genetische Prädisposition, Stressempfindlichkeit (110) und Immunsuppression das Risiko häufiger Virusaktivierungen und damit die Erkrankungswahrscheinlichkeit erhöhen.
Die bisher auf seroepidemiologischer Basis erhobenen Daten bestätigten dann auch, daß die BDV-Infektion weltweit viel stärker verbreitet ist als in früheren Jahren vermutet, in denen BDV noch als exotischer seltener Erreger einer seltsamen Pferdekrankheit galt. Die tatsächliche latente Durchseuchung, insbesondere beim Menschen, ist vermutlich noch höher einzuschätzen als mit den heutigen Methoden erfaßbar ist.
Als Infektionswege werden die horizontale Übertragung via individueller Direktkontakte, z.B. mit Nasensekret, aber auch die vertikale Transmission diskutiert, jedoch sind natürliche Infektketten bisher ungeklärt.
Wenn sich bei bestimmten psychiatrischen Störungen des Menschen die Infektionshypothese mit Bornavirus als spezifischem Agens weiter erhärtet, würde dies einer Revolution in der bisherigen psychiatrischen Forschung gleichkommen. Phasenhafte Affektstörungen sind beispielsweise so häufig, daß sie als Lebenszeiterkrankung mindestens 5% der Bevölkerung betreffen. Diese Erkrankungen erzeugen einen hohen Leidensdruck, erfordern lange Krankenhausaufenthalte und verlaufen unbehandelt in 20% der Fälle tödlich (Suizid). In Anbetracht der Bedeutung dieser Störungen hat die Virushypothese bereits jetzt zu neuen Denkanstößen in Diagnose und Therapie geführt.
weiter im o.a. Link
