Borreliose beim Hund

Borreliose beim Hund

Beitragvon Chris » Fr Mär 05, 2010 11:52 am

Auszug aus http://www.mikrogen.de/uploads/tx_oemik ... BBBCDE.pdf:
Symptome:
Ähnlich vielgestaltig wie beim Mensch sind die klinischen Symptome der Borreliose beim Hund:
• Gestörtes Allgemeinbefinden, Fieber, Schmerzen, Apathie und Anorexie (ca. 48%)
• Akute und chronische rezidivierende Mono- und Polyarthritis (ca. 20%)
• Unklare Lahmheit (ca. 48%)
• Neurologische Ausfallerscheinungen, wie z. B. Ataxie, Muskeltremor, Tortikollis, HWS-Syndrom,
Tetraplegie (ca. 24%)
• Hautveränderungen, verbunden mit Pyodermie, Erythem und Juckreiz (ca. 8%)
• seltene Symptome sind Lymphadenopathie, Myocarditis, Myositis, Iritis, Panophtalmie, Glomerulonephritis u.a.

Die vielgestaltige Symptomatik der caninen Borreliose stellt, neben der Ähnlichkeit mit den klinischen
Erscheinungen anderer Erkrankungen des Hundes, eine große Herausforderung an die Diagnostik dar.

3. Diagnostik
Die direkte Kultivierung von Borrelia burgdorferi (Erregernachweis) ist der sicherste Beweis für eine Inf schwierig und sehr zeitaufwändig und bleibt somit Speziallabors vorbehalten.
Die serologische Untersuchung ist daher die praktikabelste Lösung für das Routinelabor. Der indirekte Immunfluoreszenz-Test (IFT), der indirekte Hämagglutinationstest (IHA), sowie Enzymimmunoassays
(EIA) werden eingesetzt. Der serologische Befund ist abhängig vom Stadium der Erkrankung, der Dauer der Symptome und einer eventuell schon erfolgten Antibiotikatherapie oder Vakzinierung gegen Borrelia
burgdorferi.
Der Immunoblot weist gegenüber den genannten immunologischen Verfahren zusätzliche Kriterien hinsichtlich Sensitivität und Spezifität auf. Er ermöglicht den Nachweis und die Identifizierung von IgM und IgG-Antikörpern und dient, wenn er als Ergänzungstest verwendet wird dazu, die Ergebnisse der indirekten Immunfluoreszenz und des Enzymimmunoassays zu bestätigen.
Die Verwendung unterschiedlicher Borrelia burgdorferi Stämme als Antigen kann zu unterschiedlichen EIA-Testergebnissen führen. Im Frühstadium versagen die angeführten Teste oftmals. Darüber hinaus
kann die Serodiagnostik der caninen Borreliose durch Kreuzreaktionen mit anderen Spirochaeten, wie z.B. Leptospira interrogans, oralen und intestinalen Treponemen, aber auch durch weit entfernt verwandte
Bakterien wie z.B. E.coli gestört werden. Da die Testantigene im allgemeinen aus Lysaten des gesamten Erregers bestehen, werden auch Antikörper gegen sogenannte "common antigens" erfasst. Dabei
handelt es sich um weit verbreitete und in ihrer Sequenz stark konservierte Proteine, wie zum Beispiel den "heat shock" Proteinen.
Eine Möglichkeit, die genannten Einschränkungen zu umgehen, ist die Verwendung von gentechnologisch erzeugten Antigenen, wie sie von MIKROGEN in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. B.Wilske und Prof. V. Preac-Mursic am Max von Pettenkofer-Institut entwickelt wurden.

Anmerkung: Der Test ist der recom blot, das ist der erweiterte Westernblot oder Immunoblot, den wir hier auch bei den Menschen und Pferden empfehlen! Genau heißt der Test: rekombinanter Immunoblot.
Neben der sicheren Bestätigung von Antikörpern gegen sämtliche Borrelien- Genospezies bietet der rekombinante Immunoblot Anhaltspunkte zur Unterscheidung zwischen Vakzinierung und Infektion.
Während gegen das OspA nach einer Infektion nur sehr selten Antikörper gebildet werden, entstehen diese nach einer Impfung fast immer in hoher Konzentration. Im Gegensatz dazu finden sich Antikörper
gegen VlsE fast ausschließlich bei Infektionsverläufen infolge von Zeckenbissen, kaum dagegen nach einer Vakzinierung.

rekombinanter Immunoblot:

Hinweise zur Interpretation:
Ein negatives recomBlot Borrelia -Testresultat kann eine Infektion mit Borrelia burgdorferi nicht in jedem Fall ausschließen. Insbesondere in der frühen Infektionsphase können Antikörper noch nicht oder in nicht nachweisbarer Menge vorhanden sein. Antibiotikabehandlung im frühen Stadium kann eine Bildung von nachweisbaren Antikörpern verhindern. Bei klinischem Verdacht auf Lyme Borreliose und negativem bzw. fraglichem Serumbefund sollte nach drei Wochen eine erneute Probenentnahme und Testung erfolgen.
Bei Proben aus der frühen Infektionsphase überwiegen in der Regel Antikörper der IgM-Klasse. Für die frühe Immunantwort (IgM) kann eine Reaktion mit OspC und p41, aber auch VlsE auftreten. Bei Seren aus späten Stadien der Infektion (IgG) kommt es, neben der auch hier auftretenden Reaktion von OspC und p41, zumeist zu einer starken Reaktion mit p100 und oft auch VlsE. Das Auftreten von IgGAntikörpern gegen p100, p39 oder p18 ist hinreichend für ein IgG-positives Testergebnis, das Auftreten von IgM-Antikörpern gegen OspC für ein IgM-positives Testergebnis.
Laborleiter Diamedis: Die IgG Immunantwort bleibt immer oder sehr lange bestehen, auch nach Behandlung oder klinisch keine Symptome!

Vergleich zur Impfung (Hunde):
Die Antikörperbildung kann durch Borrelioseschutzimpfungen beeinflusst werden. Dabei werden in der Regel Antikörper gegen OspA gebildet, die bei natürlichen Infektionen nur selten auftreten.
Ein positives Ergebnis im recomBlot Borrelia IgG bedeutet nicht in jedem Fall, dass eine aktive Lyme Borreliose vorliegt. Da IgG-Antikörper längere Zeit persistieren, können noch Antikörper einer zurückliegenden Borrelia burgdorferi-Infektion nachweisbar sein.
Serologische Testergebnisse sollten immer im Zusammenhang mit dem klinischen Bild gesehen werden.
Bei unklaren oder fraglichen serologischen Ergebnissen wird eine erneute Testung im zeitlichen Verlauf der Infektion empfohlen.

Im Rahmen einer Impfstudie***, in der neun Hunde vor und nach einer Borrelioseschutzimpfung (Impfstoff Merilym) mit dem recomBlot Borrelia canis untersucht wurden, führte die Impfung in acht Fällen zur Entwicklung einer starken IgG-Immunantwort gegen OspA; in nur einem einzigen Fall wurdendurch die Impfung schwache anti-VlsE-IgG-Antikörper induziert.
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Borrelioseimpfung beim Hund

Beitragvon Chris » Sa Mär 06, 2010 10:31 am

Es gibt eine Impfung für Hunde, aber mit einem großen Fragezeichen:
Auszug aus http://www.hundezeitung.de/medizin2/zeckenimpfung.html
Eine vorbeugende Schutzimpfung gegen die Lyme-Borreliose ist derzeit nicht für den Menschen, jedoch für den Hund erhältlich. Leider ist diese Schutzimpfung noch mit einigen Problemen behaftet:

1. In Deutschland und den Nachbarländern existieren (anders als in den USA) mehrere nah verwandte Erreger, von denen bisher mindestens 3 beim Menschen sowie bei erkrankten Hunden nachgewiesen wurden und die für das Entstehen der Lyme-Borreliose verantwortlich gemacht werden (Borrelia burgdorferi s.s., B. garinii und B. afzelii). In Europa werden B. afzelii und B. garinii für ca. 80 bis 90% aller Infektionen beim Menschen verantwortlich gemacht. Borrelia burgdorferi s.s. fehlt in Teilen Deutschland vollkommen, in anderen Teilen spielt diese Art nur eine untergeordnete Rolle. Der bei uns erhältliche Impfstoff "Merilym" (sprich: Merileim) ist nur gegen Borrelia burgdorferi s.s. gerichtet, die seltenere der drei genannten Arten. Jüngst (2007) konnte durch Straubinger und Mitarb. nachgewiesen werden, dass durch diese Impfung keine Immunität gegen die bei uns dominierenden Borrelien-Arten erreicht werden kann.

2. Es besteht der Verdacht, dass Hunde, die mit Borrelien infiziert, aber nicht erkrankt sind, nach einer Impfung erkranken können. Hierfür wird eine sog. molekulare Mimikry verantwortlich gemacht, die dazu führt, dass sich die gebildeten Antikörper gegen körpereigene Strukturen richten. Um diese Gefahr zu reduzieren, sollte keinesfalls in der Zeckensaison geimpft werden. Außerdem muss sichergestellt sein, dass die zu impfenden Tiere bisher von Borrelien nicht infiziert worden sind - also keine Impfung ohne vorherigen Nachweis, dass keine Borrelien-Antikörper vorhanden sind.

3. Wie oben dargelegt, ist ein erheblicher Teil aller bei uns vorkommenden Zecken Träger von Borrelien, wobei der genaue Prozentsatz von Ort zu Ort und Jahreszeit zu Jahreszeit variiert. Hunde, die viel im Freien sind und häufig Zeckenkontakt haben, sind daher meist mit Borrelien infiziert worden und haben Antikörper gebildet - in aller Regel ohne zu erkranken. Viele angebliche Borreliosen bei Hunden, über die berichtet wird, sind in Wirklichkeit andere Erkrankungen, die oft nicht erkannt und daher auch falsch behandelt werden. Genauere Daten zur Erkrankungsrate sind nur beim Menschen bekannt. Eine Untersuchung in Heidelberg ergab, dass 3,5% aller von Zecken gebissenen Personen von Borrelien infiziert wurden. In den meisten Fällen kam es jedoch zu keinen weiteren Krankheitssymptomen außer der Wanderröte (und selbst die wird in weniger als der Hälfte aller Fälle beobachtet): Das körpereigene Immunsystem ist i. d. R. in der Lage, die Bakterien abzutöten. Daher wird davon ausgegangen, dass lediglich ca. 0,3 bis 1,5% der Zeckenbisse beim Menschen zu einer Erkrankung führen. Da in zeckenverseuchten Gebieten (wie beispielsweise in Mittelhessen) 90% der daraufhin untersuchten Hunde Borrelien-Antikörper tragen (wovon die wenigsten erkranken), ist davon auszugehen, dass die Zahl der Borreliose-resistenten Hunde weit größer ist als die der resistenten Menschen.

4. Leider sind die meisten serologischen Tests auf Borreliose (Tests auf Antikörper im Blut) schlecht und bringen einen hohen Anteil sowohl falsch positiver wie falsch negativer Ergebnisse! Nur wenige Labors beherrschen den Nachweis verlässlich (das gilt in der Humanmedizin ganz genauso)! Zu den besonders sicheren Methoden gehört der Nachweis der Borrelien in Kultur oder die PCR, eine moderne Methode zum spezifischen Nachweis von Erbmaterial (DNA). Untersuchungen an der Universität Zürich belegen, dass die allgemein verwendeten Methoden zum Nachweis von Borrelieninfektionen erschreckend unsicher sind. Das gilt selbst für die moderne PCR, die aufgrund ihrer hohen Empfindlichkeit so geringe Borrelien-Zahlen nachweisen kann, dass jede Hunde-Haut, die gelegentlichen Zeckenbesuch aufzuweisen hat, positive Ergebnisse bringen kann, wenn die Blutentnahme nicht mit entsprechender Vorsicht vorgenommen wird. (Siehe dazu den Bericht von Dr. Reiner, Zürich, auf der Homepage der Gesellschaft zur Förderung kynologischer Forschung. Eine ausgezeichnete Darstellung der Borreliose und der Schwierigkeiten beim Borrelien-Nachweis in der Veterinärmedizin finden Sie auch im Fachartikel von Dr. Peter Kopp.)

Wie viele andere Fachleute auch stehe ich aus den genannten Gründen einer Borrelien-Schutzimpfung für Hunde derzeit sehr skeptisch gegenüber. Ich hoffe aber sehr, dass es gelingen wird, auf lange Frist einen wirkungsvollen Impfstoff zur Anwendung bei Mensch und Tier zu entwickeln.
Ende Auszug
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